Mit großer Bestürzung haben wir zur Kenntnis genommen, dass es Vorwürfe wegen sexuellem Missbrauch in einem Stamm in Waldshut-Tiengen gegenüber einem Pfadfinderbund gibt, der nicht zur DPSG gehört. Zwischen 1970 und 1990 kam es wiederholt auf Fahrten durch einen Leiter zu sexuellen Übergriffen gegenüber Jungen. Laut Medienberichten sei der Gruppenleiter nicht mehr aktiv. Wir hoffen, dass es in diesem Fall nicht zu weiteren Missbrauchstaten gekommen ist.

Auch wenn es aufgrund von Verjährungsfristen vielleicht nicht mehr möglich sein wird, juristisch gegen den Gruppenleiter vorzugehen, kann der Fall einen Beitrag für die Aufarbeitung sexueller Übergriffe und sexuellen Missbrauchs auch in anderen Gruppierungen leisten. Ein Aspekt dabei ist, dass alle aufmerksam werden und für Täter*innenstrategien sensibilisiert werden.

Wir ermutigen betroffene Personen ausdrücklich dazu, Taten zur Anzeige zu bringen und sich an Beratungsstellen zu wenden.
Wir sind entsetzt, dass aus dem pfadfinderischen Kontext erneut von solchen Taten berichtet werden muss. Dies entspricht in keiner Weise dem damaligen und heutigen pädagogischen und pfadfinderischen Selbstverständnis, das wir in der DPSG leben.

Den Engagierten in der DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg) im Diözesanverband Freiburg ist es sehr wichtig, Kinder und Jugendliche vor Gewalt zu schützen.
Bereits im Jahr 2007 hatte sich in der Erzdiözese Freiburg die katholische Jugendarbeit in Zusammenarbeit mit dem Dachverband der katholischen Jugendverbände (BDKJ) mit der Thematik des grenzachtenden Umgangs befasst, um in der Jugendarbeit einen sicheren Ort für Kinder und Jugendliche anzubieten. Dazu wurden Schulungskonzepte und Materialien für Personen entwickelt, die mit Schutzbefohlenen arbeiten. Es stehen Ansprechpersonen zur Verfügung, an die man sich wenden kann bei Vermutungen oder Vorfällen sexualisierter Gewalt.
(https://www.kja-freiburg.de/html/content/hilfe_beratung.html)

Die Thematik des grenzachtenden Umgangs als Schutz vor sexualisierter Gewalt ist seitdem innerhalb der DPSG wie auch in den anderen Bereichen der Kirchlichen Jugendarbeit fester Bestandteil der Ausbildung für Gruppenleiter*innen.
Die 87. Bundesversammlung hat im Jahr 2020 einen Antrag auf institutionelle Aufarbeitung von Machtmissbrauch in der DPSG beschlossen. Seit 2020 wird an diesem Prozess gearbeitet und die DPSG positioniert sich deutlich zu diesem Thema. Im Fokus der Aufarbeitung steht die sexualisierte und die spiritualisierte Gewalt. Neben der präventiven Arbeit im Verband ist es der DPSG wichtig, Betroffene auf dem Weg der Aufarbeitung zu begleiten und zu unterstützen.
Weitere Informationen zum Aufarbeitungsprozess der DPSG können unter https://dpsg.de/de/aufarbeitung eingesehen werden.

Es ist uns in der DPSG ein Anliegen, dass Kinder und Jugendliche darin gestärkt werden, selbst und eigenständig für ihre Bedürfnisse einzustehen und diese auch zu benennen. Dies erfolgt beispielsweise in der Stammesarbeit vor Ort in den Gruppenstunden und in der Vorbereitung auf Freizeiten.
Die DPSG setzt alles daran, dass Kinder und Jugendliche in ihrem Pfadfinderverband einen sicheren Ort vorfinden.
Wir ermutigen ausdrücklich dazu, sich Hilfe zu suchen, falls Personen im Bereich der DPSG Missbrauch erlebt haben.
Das kann z. B. über den „Weißen Ring e. V.“ (www.weisser-ring.de / Opfertelefon: 116 006) erfolgen, über die Diözesane Missbrauchsbeauftrage Dr. Angelika Mussella ( / Telefon 0761 703980) oder über andere regional arbeitende Hilfsstellen.

Der Diözesanvorstand
Patricia Kaiser, Christian Müller, Stefan Häfner (Elch)