Ostern in Taizé: Stille, Begegnung und internationale Weggemeinschaft

Gemeinsam unterwegs nach Taizé

Vom 2. bis 6. April 2026 war auf Einladung des Arbeitskreises Internationales Engagement des DPSG-Diözesanverbands Freiburg eine kleine Gruppe in Taizé unterwegs. Die Fahrt richtete sich an Roverinnen und Leiterinnen ab 18 Jahren; insgesamt nahmen sieben Personen aus dem ganzen Diözesanverband teil. Schon in der Einladung war von Gemeinschaft, Musik, Begegnungen und einer außergewöhnlichen Atmosphäre die Rede – und genau das prägte die gemeinsamen Tage.

Raum für Glauben und persönliche Vertiefung

Die Gruppe war in vielerlei Hinsicht bunt zusammengesetzt: Das Altersspektrum war breit, ebenso die persönlichen Zugänge zu Glauben und Spiritualität. Gerade das machte die Fahrt besonders. Jede und jeder konnte die Zeit in Taizé auf eigene Weise erleben, zur Ruhe kommen und die Beziehung zum eigenen Glauben vertiefen. Für manche standen die Gebetszeiten und Gesänge im Mittelpunkt, für andere eher die Stille, die einfache Lebensweise oder die offene Atmosphäre des Ortes.
Die liturgischen Feiern der Kar- und Ostertage gaben der Reise einen besonderen Rahmen. Zum offiziellen Osterprogramm gehörten unter anderem die Eucharistiefeier am Gründonnerstag, das stille Gebet für den Frieden und das Gebet vor dem Kreuz am Karfreitag, die Osternachtfeier am frühen Ostersonntag sowie das Morgengebet am Ostermontag.

Ein Ausflug nach Cluny

Am Samstag nutzte ein Teil der Gruppe die Gelegenheit zu einem Ausflug in die nahegelegene Kleinstadt Cluny. Ein sachkundiges Mitglied des Arbeitskreises führte durch die Stadt und gab Einblicke in ihre Geschichte. Dazu kam Zeit, die besondere Atmosphäre des Ortes zu genießen und gemeinsam gutes französisches Essen zu erleben. Der Ausflug ergänzte die spirituelle Ausrichtung der Tage um eine kulturelle und gemeinschaftliche Erfahrung.

Bewegende Osternacht am am Ostersonntagmorgen

Ein Höhepunkt der Fahrt war für viele das Osterfeuer am Sonntagmorgen bei Sonnenaufgang. Aus der Dunkelheit des frühen Morgens heraus wuchs Schritt für Schritt das Licht des Osterfestes. Anschließend feierte die Gruppe gemeinsam mit rund 3000 Teilnehmenden den Gottesdienst in der Kirche. Diese Verbindung aus Morgenlicht, Gesang, Gebet und internationaler Gemeinschaft war für viele ein tief bewegender Moment.

Begegnungen über Grenzen hinweg

Neben der spirituellen Erfahrung waren es vor allem die Begegnungen, die diese Tage geprägt haben. Immer wieder ergaben sich Gespräche mit Menschen aus verschiedenen Ländern, spontane Kontakte und gemeinschaftliche Momente. Besonders intensiv waren die Begegnungen mit Pfadfinderinnen und Pfadfindern aus ganz Europa. So wurde ganz konkret erfahrbar, was internationale Pfadfinderfreundschaft bedeuten kann: Offenheit, Geduld, gegenseitiges Interesse und Gemeinschaft über Sprachgrenzen hinweg.
Eine Teilnehmerin hat diese Erfahrung in einem sehr persönlichen Text festgehalten. Daraus entstand „Wegefreundschaft – Begegnungen in Taizé“, ein berührender Text über internationale Begegnung, Verbundenheit und den besonderen Geist dieser Ostertage. Wir veröffentlichen ihn hier im Originalwortlaut:

Wegefreundschaft – Begegnungen in Taizé
Riccardo, Solal, Alix, les deux Josephs und alle aus den Gruppen Mariano 1, Sainte Richarde
Saint Pierre Le Jeune und Guigone de Salins

„Hopefully we meet again“[^1] das waren deine letzten Worte an mich.
Doch so ganz glauben kann ich dir nicht.
Versprochen der Wille einander zu schreiben,
es diesmal nicht zu vergeigen,
dass der Kontakt abbricht.
Wir haben so viel uns unterhalten
und ich werde euch und euer nächstenliebendes Verhalten
stets in guter Erinnerung behalten.
Als jemand plötzlich „hey girl“ rief,
wusste ich sofort wer hinter mir lief.
Dann haben wir uns gemeinsam à l´eglise[^2] beeilt,
ich an meinem Französisch gefeilt
und später gerne mit dir meine Zahnpasta geteilt.
Totto bosco[^3] hast du gesagt
und mein Brot aufgehoben, was auf dem Boden lag.
Taralli deine Lieblingskekse vielleicht werde ich sie mal backen
und zur Erinnerung einpacken im nächsten Jahr Taizé.
Wenn ich euch vielleicht wiederseh?
L´historia italiana[^4] das ist dein Sujet,
mit Händen und Füßen damit ich es versteh.
Die Zeit nach dem Weltkrieg ist dein Gebiet
und das Spiel bei dem der Seilring durch die Luft fliegt
und dass es Buldossa[^5] auch bei euch gibt.
Fast jedes italienische Wort hast du mir übersetzt
dich beim Essen neben mich gesetzt.
Das Tischgebet wolltest du auf inglese[^6] gestalten,
damit „l´amica tedesca faccia parte del gruppo“[^7].
so konnten wir gemeinsam die Hände falten
und ein Dankesgebet für friendship, food und god halten.[^8] Warum ist deine Kluft so zerrissen?
Wollte ich nach dem Mittagessen vom scoute[^9] wissen
doch ihr wusstet es nicht.
Also war mir der Grund einerlei,
ich hab ja schließlich mein Nähzeug dabei
und immer mehr scoutes de la burgogne[^10] eilten herbei.
„Une Jurte“[^11] rieft ihr mit staunendem Gesicht,
„comme un cirque“[^12] denn das kanntet ihr nicht.
Und auch den schönen Sonnenuntergang
haben wir gemeinsam eingefang´
„I want to visit black forest“[^13]hast du gesagt,
doch glauben kann ich es erst wenn du kommst,
falls du kommst , wenn ich euch wiederseh
und dir gegenübersteh.
Du hattest nichts zum Tauschen, alles war daheim,
doch irgendwann fiel mir ein,
ein Knopf der Kluft, das könnte es sein.
Deinen neuen habe ich dir gleich angebracht,
an schönes Wetter und Auferstehung gedacht.
Vor zwei Stunden habt ihr euch auf den Weg gemacht.
Jetzt bin ich allein am aufnähen,
buona pasqua[^14] and hopefully we meet again.
joyeuses pâques[^15], in der Kirche war es die braune Kluft
die mich zwischen den Roten verriet,
doch zusammen freuten wir uns über das deutsche Lied.
Obwohl ihr ja gar nicht versteht,
worum es in dem Gesang überhaupt geht.
Am Oyak habe ich die rote Kluft wieder ganz gemacht,
beim busque, busque[^16] viel gelacht.
Fast wäre das Fliegerspiel entartet
und du hast jedes Mal geduldig gewartet,
bis ich die französischen Wörter fand,
deine Sätze fünfmal wiederholt bis ich sie verstand.
Beim Abschlusskreis der keiner war, fassten wir uns an die Hand,
das Lied „le monsieur en chemise“[^17] war mir zwar noch nicht bekannt,
aber „la scoutisme“[^18] war es, was uns verband.
Du sagtest ihr müsst zur Abendrunde gehen,
so blieb ich unsicher aber neugierig etwas abseits stehen.
Eure Chefs haben wohl die geflickte Kluft gesehen.
„Annabel, Annabel, Annabel,…“ riefen alle nicht leis,
bis ich doch Teil war, vom gemeinsamen Abendkreis.
Ich zögerte lange, doch fasste dann Mut:
„Merci, que je suis ici avec vous”[^19] Das Halstuch tauschten wir im Feuerlicht,
mit einem Pfadfinderversprechen, denn das bricht man nicht.
Und auch wenn das Osterfeuer irgendwann verglimmt,
weiß ich sicher, dass es stimmt:
One day we will meet again.[^20]

[^1]: engl.: „hoffentlich sehen wir uns wieder“
[^2]: franz.: „zur Kirche“
[^3]: ital.: „mit dem Geschmack der Erde“ Sprichwort für heruntergefallenes Essen
[^4]: ital.:die italienische Geschichte
[^5]: Geländespiel, British Bulldog
[^6]: ital.: „englisch“
[^7]: ital.: „die deutsche Freundin Teil der Gruppe ist“
[^8]: engl.: „Freundschaft, Essen und Gott“
[^9]: franz.: Pfadfinder
[^10]: franz.: Pfadfinder aus Burgund, Frankreich
[^11]: eine Jurte, Schwarzzelt
[^12]: franz.: „wie ein Zirkuszelt“
[^13]: engl.: „ich will in den Schwarzwald reisen“
[^14]: ital.: „frohe Ostern“
[^15]: franz.: „frohe Ostern“
[^16]: Tanzspiel
[^17]: französisches Pfadfinderlied
[^18]: franz.: „die Pfadfinderei“
[^19]: franz.: „Danke, dass ich hier bin, mit euch“
[^20]: engl.: „eines Tages werden wir uns wiedersehen“