Roihu 2016 – Finnjamboree

Eins der Dinge, die Pfadfinden so besonders machen, ist die Tatsache, dass es eine weltweite Bewegung ist. Gerade in der Roverstufe gehören internationale Begegnung zum Konzept – „interover“. Der Kontakt mit Menschen aus aller Welt ist eine bereichernde Erfahrung, die den eigenen Horizont erweitert. Deshalb waren wir begeistert, als wir von Roihu erfahren haben. 17 000 Pfadfinder*innen aus vielen Ländern bieten wohl genügend Möglichkeiten für neue Begegnungen, interessante Gespräche und gigantische Erlebnisse. Das Zusammentreffen so vieler und vielfältiger Kulturen gibt Anlass zu guten und kontroversen Diskussionen und bringt frischen Wind in die eigenen Denkmuster – „rovermission“.

Auf einem so großen Camp müssen natürlich alle mithelfen. Wir haben uns unsere Arbeit selbst mitgebracht. Mit einem „Café der Kulturen“ machen wir deutsche Pfadfinderei erlebbar, schaffen Raum für Begegnungen und Austausch, sorgen für das Leibliche Wohl und stimmungsvolle Abende. Kurz – wir errichten ein Wohnzimmer für alle Rover*innen – „roverkult“. Damit dies gelingt, müssen alle mit anpacken. Nur gemeinsam und mit Engagement, können wir diese Aufgabe stemmen – „roverpower“.

Wir fahren nicht alleine nach Finnland – mit dabei sind über 40 Rover*innen aus der Diözese, wovon 8 mit zum Café-Team gehören. Wir transportieren das Material für alle mit Autos und Fähren zum Platz, damit die Anderen mit dem Flugzeug anreisen können.

Für uns war diese Reise ein großartiges und einzigartiges Erlebnis – deshalb möchten wir euch ein Wenig mitnehmen.

Tag 1 – Sonntag 18. Juli
Morgens um 7 geht’s los – mit zwei großen Autos voll mit Zeltmaterial, Kaffee und allem, was man sonst noch für ein gemütliches Café braucht, Richtung Finnland. Trotz teilweise voller Straßen kommen wir abends pünktlich in Rostock an und auf die Fähre nach Trelleborg (Schweden). Nachdem wir uns an Deck ein bisschen den Wind um die Nase wehen gelassen haben geht’s in die Kabine – schlafen.

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Tag 2 – Montag 18. Juli
Um 5 reißt uns die unglaublich laute Kabinendurchsage aus dem Schlaf. Immerhin haben wir so genug Zeit, bis zur Ankunft um 6 Uhr richtig wach zu werden. Das nächste Ziel heißt Stockholm. Mittags genießen wir die schwedische Landschaft und Backkunst beim Vesper am See mit Zimtschnecken. Mjam, so lässt sich’s leben.
Abends kehren wir dann auch schon dem nächsten Land den Rücken – ab auf die Fähre nach Finnland.

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Dort können wir bei der Fahrt durch den Stockholmer Schärengarten noch mehr wunderschöne Landschaft und einen genialen Sonnenuntergang bewundern – der dauert hier im Norden echt lange. Die Spannung steigt, morgen kommen wir an. =)
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Tag 3 – Dienstag 19. Juli

Bei unserer Ankunft in Turku werden wir von Kalle – dem Leader unserer Camp Unit – in Empfang genommen. Das Lager ist in sieben Subcamps unterteilt. Jedes hat eine eigene Essensausgabe und eine andere Halstuchfarbe. Die nächstkleinere Organisationseinheit sind die Camp Units. Das sind jeweils 40-70 Pfadfinder*innen, die in voneinander abgetrennten Bereichen zelten und für die eine Person verantwortlich ist. Kalle ist also unser Ansprechpartner für alle Fragen, Sorgen und Nöte auf dem Camp.

Mit Infos versorgt machen wir uns auf den Weg zur Evo Campsite, wo das Lager stattfindet. Und dann haben wir’s auch schlussendlich geschafft, wir sind da! Der Platz liegt wunderschön mitten im Wald an und um zwei Seen.

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Nachdem wir das Material abgeladen haben, fangen wir an, unser Café aufzubauen. Dort werden wir in der nächsten Woche nicht nur Espresso und Tee ausschenken, sondern auch unser Land vorstellen und Raum für Begegnungen schaffen. Abends treffen die ersten Rover*innen aus der Diözese ein.

Tag 4 – Mittwoch, 20. Juli
Heute ist der erste richtige Lagertag. Zum Frühstück gibt’s traditionelle finnische Reisbrötchen, die nach recht wenig schmecken, und Haferbrei. So gestärkt beenden wir unsere Jurtenburg und richten die Bar ein.

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Café

Mittlerweile ist auch der Rest unserer Gruppe eingetroffen – insbesondere auch diejenigen, die mit uns das Café schmeißen. Außerdem füllt sich unsere Camp Unit mit Leben und wir kommen mit vielen finnischen Pfadfinder*innen in Kontakt. Abends wird das Lager eröffnet. Es ist absolut gigantisch, 17 000 Pfadfinder*innen an einem Ort zu sehen!

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Tag 5 – Donnerstag, 21. Juli
Heute eröffnen wir endlich unser Café. Alle, die uns besuchen, freuen sich über leckeren Espresso und richtig guten Tee von Nanparkal (obacht, Schleichwerbung ;-)). Langsam aber sicher kommen wir hier im Camp zurecht, finden von A nach B und erkennen Leute wieder. Abends ist „international evening“ – alle internationalen (also nicht finnischen) Gruppen unseres Subcamps „Syke“ stellen etwas aus ihrem Land vor: ein Lied, ein Spiel, …

Als wir danach wieder zum Café zurückkommen, ist dort Karaoke, das von einer britischen Gruppe organisiert wird, in vollem Gange – die Stimmung ist super!

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Tag 6 – Freitag, 22. Juli
Unser Café läuft genial! Unser Plan ist aufgegangen, das Café ist zum Ort für Begegnungen geworden. Den ganzen Tag über kommen hier Menschen verschiedener Nationalitäten ins Gespräch und verbringen eine schöne Zeit. Dazu tragen auch die verschiedenen Angebote und Veranstaltungen bei. Eine Gruppe aus Großbritannien veranstaltet in der roten Jurte regelmäßig Karaoke, es werden Filme gezeigt, es wird musiziert und es wird viel und gerne Kaffee und Tee getrunken. Außerdem haben wir eine Fotobox, bei der man sich die Fotos genialerweise sofort ausdrucken kann. Nichtsdestotrotz tut es gut, auch mal eine Pause zu machen und den Chillout-Bereich der Roverarea zu nutzen.

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All das sorgt dafür, dass die Arbeit im Café riesig Spaß macht!

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Tag 7 –  Samstag, 23. Juli
Es wird Zeit, die Wasseraktivitäten auszuprobieren. Es gibt Kanus, Kajaks, Stand-up-paddles und sogar Segelboote. Im Bereich des Lagerplatzes liegen zwei Seen, weshalb genug Platz für alles und alle ist. Über einen der Seen haben die Finn*innen einen Holzsteg gebaut – genial!

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Abends ist bei uns im Café Open Stage Nacht. Es gibt viele Gesangsbeiträge, Sketche, Geschichten, … bis tief in die Nacht. Unsere Zelte sind rappelvoll und die Stimmung ist gigantisch!

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Tag 8 – Sonntag, 24. Juli
Heute ist Besuchertag. Mehrere tausend zusätzliche Menschen auf dem Platz sind deutlich spürbar – die Hauptwege sind ganz schön voll. Den Vormittag über helfen wir dabei, die Besucher*innen in Empfang zu nehmen, danach geht’s wieder zurück ins Café. Einige Norweger*innen sind von uns und unserem Café so begeistert, dass sie uns zu einem Großlager nächstes Jahr in Norwegen eingeladen haben. Auch die Webredakteure des Camps sind auf uns aufmerksam geworden – lest selbst! Als Dankeschön für die gute Arbeit gehen alle, die im Roverbereich beschäftigt sind, heute Nacht gemeinsam in eine traditionelle finnische Sauna – ein wunderbares und belebendes Erlebnis!

Tag 9 – Montag, 25. Juli
Mittlerweile sind wir hier so gut angekommen und haben den Tagesablauf so verinnerlicht, dass die Zeit wie im Flug vergeht und die Tage ineinander verschwimmen. Frühstück, Café, Mittagessen, Café, Abendessen, Abendprogramm, Nachtessen, Café. Ja, richtig gelesen, hier wird vier Mal am Tag gegessen. Aus flüchtigen Bekanntschaften entstehen die ersten Freundschaften und viele Rover*innen sind zu Stammgästen geworden. Heute Abend ist in unserer Camp Unit fröhliches Beisammensein, Spielen und Singen – eine gute Gelegenheit, die Anderen noch besser kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen.

Tag 10 – Dienstag, 26. Juli
Heute ist der letzte komplette und normale Lagertag – morgen wird schon zusammengepackt. Wir genießen das Café, die Menschen und den See in vollen Zügen. Wir machen auf dem Steg Riesenseifenblasen und gehen mit selbst gebauten Taucherglocken unter Wasser.

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Abends und Nachts ist bei uns wieder Open Stage – mit noch genialeren Beiträgen als beim letzten Mal. Es ist unglaublich, welch‘ kreatives Potential in einem solchen Lager schlummert. Das Café platzt aus allen Nähten. Wir sind bis spät in die Nacht wach, um noch so viel wie möglich von diesem Lager zu erleben.

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Tag 11 – Mittwoch, 27. Juli

Heute wird unsere Jurtenburg komplett abgebaut. Der Roverbereich wirkt seltsam leer und trostlos ohne unser Café, das im Laufe der letzten Woche für uns zu einem Wohnzimmer und Zuhause geworden ist. Morgen heißt es für die Meisten für uns Abschied nehmen und sich auf den Heimweg machen. Nach 210l Milch, 30kg Espresso, 1kg Tee und 2kg Schokomandeln schauen wir auf eine wunderschöne Zeit zurück – eine Zeit, in der wir vielen Menschen und Kulturen begegnet sind und in der wir viele neue Freunschaften geschlossen haben.

Tag 12 – Donnerstag, 28. Juli

Das Lager beginnt sich zu leeren. Wo noch gestern Menschenmassen gewesen sind, herrscht zunehmende Stille und Leere. Wo gestern noch unzählige Zelte standen und Hängematten hingen, bleiben nun nur noch Wald, Staub und ausgetretene Pfade. Wir sind melancholisch aber auch dankbar, dass wir die Möglichkeit haben, uns nach und nach von allen zu verabschieden und das Lager langsam ausklingen zu lassen.

Tag 13 – Freitag, 29. Juli

Früh morgens bauen wir die letzte Jurte ab, verstauen die letzten Planen und machen uns dann auf den Weg nach Helsinki, von wo unsere Fähre gen Heimat ablegen wird. Uns bleiben noch ein paar Stunden, um Helsinki anzuschauen und unsere Vorräte für die Heimreise aufzustocken. Wir sind nicht die Einzigen, deren Weg über die finnische Hauptstadt führt – wir begegnen ständig anderen Pfadfinder*innen, die mit uns auf dem Lager gewesen sind – ein tolles Gefühl!

Tag 14 – Samstag, 30. Juli

Die 30-stündige Fahrt auf der Fähre verbringen wir größtenteils mit schlafen. Das Lager hat deutliche Spuren hinterlassen. Es gilt unzählige Eindrücke und Emotionen zu verarbeiten und die Akkus wieder aufzufüllen.

Tag 15 – Sonntag, 31. Juli

Die verbliebenen Kilometer von Travemünde nach Hause legen wir größtenteils über Nacht zurück. Wir haben uns auf der Fähre gut genug ausgeschlafen und die Straßen sind frei. In Gengenbach werden wir herzlich mit Kaffee und Kuchen begrüßt. Danach lädt es sich gleich viel beschwingter aus.

An dieser Stelle endet das Abenteuer. Wir kehren alle wieder nach Hause zurück – zumindest physisch, der Kopf kann noch nicht so recht loslassen und befindet sich zum Teil nach wie vor in Finnland. All die Erfahrungen, Erinnerungen und Freundschaften werden uns wohl noch lange begleiten.